Kirchlicher Diskurs unter Spannung: Frieden, Abschreckung, Verantwortung
Im November 2025 veröffentlichte die Evangelische Kirche in Deutschland ihre Kundgebung „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“. Kaum eine Denkschrift der vergangenen Jahrzehnte hat innerhalb der evangelischen Friedensethik so viel Widerspruch ausgelöst.
Nun liegt mit der „Umdenkschrift II“ ein zweiter Band kritischer Wortmeldungen vor. Herausgegeben wurde die Dokumentation von Peter Bürger im Auftrag der Solidarische Kirche im Rheinland und des Ökumenisches Institut für Friedenstheologie. Erschienen ist der Band als edition pace Bd. 44 im Verlag BoD (Hamburg, 2026).
Die Sammlung dokumentiert Stimmen, die sich kritisch mit der Neuorientierung der EKD im Blick auf Krieg, Abschreckung und Sicherheitspolitik auseinandersetzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage einer kirchlichen „Atombombenduldung“ in Deutschland.
Beiträge unter anderem von Ralf Becker, Günter Brakelmann, Arno Lohmann, Burkhard Paetzold, der IPPNW sowie weiteren Autorinnen und Autoren beleuchten die theologische und ethische Dimension nuklearer Abschreckung. Der Vorwurf wiegt schwer: Wenn Vertrauen auf atomare Abschreckung gesetzt wird, verschiebt sich das Vertrauen weg von Gott hin zu einer todbringenden Macht.
Unabhängig davon, wie einzelne Positionen bewertet werden, zeigt der Band: Die friedensethische Debatte innerhalb der Kirchen ist lebendig und kontrovers. Sie berührt Grundfragen christlicher Verantwortung in einer Welt zunehmender militärischer Aufrüstung.
Der Band (152 Seiten, 7,99 Euro, ISBN 978-3-6957-4733-7) ist im Buchhandel erhältlich. Eine Digitalausgabe steht zudem frei zugänglich bei den herausgebenden Institutionen zur Verfügung.
Für uns als Friedensverband ist diese innerkirchliche Auseinandersetzung von Bedeutung. Sie macht sichtbar, wie sehr Fragen von Krieg, Abschreckung und Gewaltfreiheit auch im kirchlichen Raum neu verhandelt werden. Diskurs braucht Öffentlichkeit – und Öffentlichkeit braucht informierte Stimmen.