„Gewaltfrei widerstehen": Rückblick auf den 21. Magdeburger Friedens-Werkstatt-Tag
„Stell dir vor, wir werden angegriffen und alle leisten gewaltfrei Widerstand!“
Was zunächst wie eine Utopie klingt, war am 10. Oktober 2026 Ausgangspunkt für einen intensiven und bewegenden Tag in Magdeburg. Zum 21. Friedens-Werkstatt-Tag hatte die Magdeburger Gruppe des Versöhnungsbundes eingeladen. 26 Menschen aus verschiedenen Orten kamen zusammen, um sich mit einer Frage zu beschäftigen, die angesichts der aktuellen Aufrüstungsdebatten besonders dringlich erscheint: Wie können wir verteidigen, was uns wichtig ist, ohne selbst zu den Waffen zu greifen?
Unter dem Thema „Soziale Verteidigung – was ist das?“ führte Jochen Neumann von der Initiative „Wehrhaft ohne Waffen“ in ein Konzept ein, das auf die Kraft gewaltfreien Widerstands setzt.
Dabei wurde schnell deutlich: Soziale Verteidigung bedeutet weit mehr, als einfach nur Nein zu sagen. Es geht darum, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, Menschen und demokratische Strukturen zu schützen und gemeinsam handlungsfähig zu werden.
Wenn aus Theorie plötzlich Wirklichkeit wird
Besonders eindrücklich war ein Planspiel, bei dem die Teilnehmenden in unterschiedliche Rollen schlüpften: Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen und Behörden.
Das Szenario: Eine fiktive Regierung versucht, grundlegende Rechte einzuschränken und gesellschaftliche Vielfalt zurückzudrängen. Wie können sich die verschiedenen Gruppen dagegen wehren? Wer kann mit wem zusammenarbeiten? Und wie entsteht gewaltfreie Gegenmacht?
Die Diskussionen entwickelten eine Intensität, die selbst die Veranstaltenden überraschte. Einige Teilnehmende empfanden die Auseinandersetzung als herausfordernd. Gleichzeitig entstanden kreative Ideen und neue Möglichkeiten des gemeinsamen Handelns.
Gerade darin lag eine wichtige Erkenntnis: Gewaltfreier Widerstand braucht nicht nur Mut, sondern auch Vorbereitung, Zusammenarbeit und Übung.
135 Hefte voller Frieden und Fantasie
Begleitet wurde der Werkstatt-Tag von der Ausstellung „Justice.Peace.Imagination“. Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus mehreren Ländern hatten 135 Hefte gestaltet und darin ihre Gedanken, Träume und Hoffnungen zu Gerechtigkeit und Frieden zum Ausdruck gebracht.
Es wurde geschrieben, gemalt, geklebt und gebastelt. Wer sich auf die Ausstellung einließ, blieb oft lange beim Lesen und Entdecken.
Auch nach dem Werkstatt-Tag war die Ausstellung noch eine Woche lang zu sehen. Die Magdeburger VB-Gruppe betreute sie und ermöglichte damit zahlreichen Menschen weitere Begegnungen und Gespräche.
Am Ende des Tages gingen die Teilnehmenden mit vielen neuen Impulsen nach Hause. Barbara und Eberhard Bürger berichten von einer Abschlussrunde voller Dankbarkeit, Inspiration und dem Wunsch, das Gelernte im eigenen Engagement weiterzutragen.
Der 21. Magdeburger Friedens-Werkstatt-Tag hat einmal mehr gezeigt, wie lebendig die Arbeit unserer Regionalgruppen ist. Hier werden Fragen nicht nur diskutiert, sondern gemeinsam durchdacht, ausprobiert und in konkrete Handlungsmöglichkeiten übersetzt.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Botschaften dieses Tages: Gewaltfreiheit ist keine passive Haltung. Sie kann gelernt, geübt und gemeinsam gestaltet werden.
Nach einem Bericht von Barbara und Eberhard Bürger, VB-Gruppe Magdeburg.